Es war ein herrlicher Tag, strahlender Sonnenschein und eine angenehme Hitze und der Wind wehte nicht zu stark. Also optimale Voraussetzungen für einen Tag im Flussbad. Wir fuhren kurz nach 15 Uhr los und waren schnell dort und machten es uns gemütlich. Es war ungewohnt mal wieder was mit seinen Eltern zu machen. Ich sprang mit meiner Mutter, tauchte durch das erfrischende Wasser und lachte und glugste und tat einen auf glücklich. Meine Mutter und Dirk taten es mir gleich. Oder vielleicht waren sie glücklich? Ich habe keine Ahnung.
Ich verstehe es nicht.
Um mich von der Sonne trocknen zu lassen legte ich mich auf meinen Handtuch und präsentierte den Sonnenstrahlen meinen Rücken während ich nebenbei laß. Mom lag neben mir in der gleichen Position und mit dem Kopf in meine Richtung. Sie hatte die Augen zu. Ich lag so nah an ihr dass ich jede einzelne Falte mustern konnte, ich beobachtete ihre Gesichtszüge. Und plötzlich zog sich alles in mir zusammen.
Wie muss das für sie sein? Ich versetzte mich 'gerne' in die Lage andere. Und zwar intensiv und abends im Bett kurz bevor sich mein Gehirn zur Ruhe zieht, denke ich nochmal über alles nach.
Es muss für sie schlimm sein. Schrecklich schlimm. Ihr eigen Fleisch und Blut verkümmert, strahlt nach außen hin beim ersten Blick Zufriedenheit und Wohlsein aus. Aber wenn sie mich genau beobachtet merkt sie dass etwas nicht stimmt. Viele andere Kinder in meinem Alter stehen drauf auf Partys zu gehen und sich zu betrinken und mit vielen Menschen durch Körperkontakt (wenn ich das so nennen darf..) sich kennen zu lernen. Vielleicht wäre meine Mutter glücklicher wenn ich so wäre. Aber nein, ich bin depressiv. Neigte zur Suicidgefährdung durch selbstverletztendes Verhalten. Ich geb zu, es hört sich schlimmer an als es ist.
Ach was laber ich da. Ich hasse es so unglaublich doll. Ich würde auch gerne einfach mal meine Phasen haben in denen ich mir einen Tumblr erstelle und viele Liebeskummerbilder poste und Texte mit "oh du fehlst mir" poste. Ich will so gerne normal sein. Gott verdammt das bin ich aber nicht. Ich denke einfach zu viel nach. Ich fühle mich in meiner scheiß Generation nicht wohl!
ICH fühle mich nicht wohl.
Als ich sie so sah wurde mir das wieder klar und diese Erkenntnis stach in mein Herz.
Nun gut, wir lagen dort und ich laß mein Buch und brutzelte in der Sonne, meine Mutter und Dirk taten es mir gleich. Ab und zu gingen wir ins Wasser. Der Weg dorthin und der Weg zurück ist am schwersten gewesen. Ich schämte mich für mich. Und ein wenig für meine Mutter. Was mir selbst auch wieder weh tat, denn ich tat ihr damit weh. Sie hat nun mal ihre Rundungen und ich weiß noch, was sie für ein verdammt flotter Feger war als sie ein paar Jährchen älter als ich war. Ich kann das bezeugen, bzw. BILDER können das bezeugen. Aber das Leben zieht seine Linien und hinterlässt Spuren.
Und das ist wieder ein Punkt in der ich unsere Generation verabscheue. In den Werbungen wird uns unbewusst aber direkt eingetrichtert, dass wir schön und schlank sein müssen. Diese Modelcastings verstärken das nur noch. Selbst wenn ich ein dünnes Mädchen durch die Stadt gehen sehe frage ich mich ob sie dünn oder dick ist. Obwohl ich genau weiß dass sie dünner ist als ich. Versteht ihr? Ich kann nicht mal mehr unterscheiden wer dick und wer dünn ist. Außer bei Ausnahmefällen aber das lassen wir mal ein anderes Thema bleiben.
Ich sollte langsam mal zum Punkt kommen.. Ich mein, wer ließt sich das denn durch haha.
Meine Mutter wollte mit mir Tischtennisball spielen (mit Hintergründen die ich leider erst später erfuhr.) und so spielten wir. Mal verlor ich, mal verlor sie.
Bis schließlich alte Freunde von ihr und Bekannte von mir uns über den Weg liefen. Meine Mutter quatschte sich fest und so saßen wir dort 10 Minuten, 20 Minuten, plötzlich waren es schon 60 Minuten und schließlich war es gegen halb 9 als ich zu Dirk zurück ging und mich mit ihm unterhielt.
Wir packten schon mal unsere Sachen denn wir wollten ja eigentlich gehen.
Ach komm ich nun direkt zum Punkt; Vor Ort fand eine Hochzeit statt und zwar heiratete Moms alter guter Freund und als er sie im Flussbad sah lud er sie sofort ein. Und uns natürlich auch. Wir blieben und unterhielten uns und lachten. Ich fühlte mich schon ein wenig unwohl, denn ich war ungeschminkt und wirklich nicht schön anzusehen doch immer wieder wurde ich darauf hingewiesen dass ich schön geworden sei. Eine tolle Figur habe. Eine tolle Größe. Das aus mir noch was richtig gutes zu machen sei. Dass ich echt ein schönes Mädchen sei.
Und ich fühlte mich plötzlich wohl denn mir wurde bewusst dass es hier nicht auf perfektes Make Up und den besten Klamottenstil ging. Die Erwachsenen brachten mich zum Lachen und schmunzelten selbst mit. Außer dass sie Alkohol tranken und rauchten, war kein großer Unterschied. Ich gehörte dazu.
UND DA IST ES WIEDER. Dieses Fernweh. Ich will hier weg. Ich weiß dass es wo anders genauso ist. Aber ich will einfach weg von diesem ekeligem Gruppenzwang und allgemein den Zwang schön zu sein. Aber nicht schön in dem Sinne dass man sich selbst akzeptiert und gut findet. Nein, das wird in dieser Gesellschaft nicht zugelassen. Schön ist man hier nur wenn man dünne Beine, einen guten Arsch oder eine schönes Dekolleté besitzt. Dann noch perfekte Augenbrauen und perfekt getuschte Wimpern und eine babyzarte Haut. Man muss sich einfach anpassen und durch ein paar Schönheitsmerkmale vorgehoben werden. Schon ist man genau richtig. Ich flirtete mit den Älteren Leuten, witzelte und hörte zu.
Als ich ins Auto stieg und in den Rückspiegel schaute, erwachte ich wieder. "Scheiße wie siehst du aus! Wie hast du dich gezeigt! Deine Haare! Deine Beine! Oh dein Gesicht, davon ist gar nicht zu sprechen! Kind verdammt was. bist. du!?" Gedanken schossen mir durch den Kopf und ich war wieder Ich. Beziehungsweise die, die ich in den letzten Monaten geworden bin.
Während der Autofahrt redete meine Mutter von ihrer Jugend und ich musste mir eingestehen, dass ich das auch wollte.
Ich meine es jetzt wirklich ernst..
Ich hörte mir meine Musik an und klickte auf Tumblr. Danach ging ich auf meinen Blog denn ich wollte das hier loswerden.
Plötzlich riß mich die Musik wieder in den Bann, ich stand von meinem Stuhl auf und tänzelte durchs Zimmer. Räkelte mich vor meinem Spiegel und hielt in meiner Stellung inne. Und kaum zu glauben aber ich war zufrieden mit mir. Ich BIN grade zufrieden mit mir! Ich schaute in den Spiegel und mir hallten die Worte der Menschen wieder in meinen Gedanken: "Aus dir kann ja wirklich was werden! Tolle Figur! Tolles Gesicht."
Ich habe mich mit anderen Augen gesehen. Und das meine ich wortwörtlich. Nicht mit meinen Augen, in denen ich mich selbst eh immer als dick und hässlich darstelle. In denen ich nur meine Makel sehe. Nein, ich sah mich in den Augen der anderen. Ich bin ungeschminkt aber fühle mich trotzdem wohl. In meinen eigenen vier Wänden. Umhüllt von diesen Worten.
Ich war überrascht, ich bin es immer noch.
Ich veröffentliche diesen Eintrag damit ich mich später wieder daran erinnern kann.
- dieser Moment, wenn du dich akzeptierst und überrascht, gar schockiert drüber bist dass du dich schön findest.
das Bild hat nicht so wirklich mit dem Post zu tun aber ich mag es so.
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